Lexikon der feministischen Irrtümer

Politisch korrekte Vorurteile und männerfeindliche Mythen auf dem Prüfstand der Wissenschaft

von Arne Hoffmann

„Bei Ehrenmorden sind die Täter Männer und die Opfer Frauen.“

DIE WAHRHEIT HINTER DEM BELIEBTEN IRRTUM:

Ehrenmorde sind ähnlich wie sexuelle Übergriffe und häusliche Gewalt eine Untat, die häufig als ein Verbrechen mit männlichen Tätern und weiblichen Opfern präsentiert wird. Im April 2017 schlugen Wohltätigkeitsorganisationen deshalb Alarm: Männliche Opfer von Straftaten im Zusammenhang der „Ehre“ (häusliche und sexuelle Gewalt, Zwangsheirat) kommen in der Debatte zu kurz. Eine Organisation berichtet, dass inzwischen eines von fünf Opfern männlich sei; eine andere weist darauf hin, dass es sich dabei nur um die Spitze des Eisbergs handelt: „Die meisten Opfer berichten, sie hätten mit keinen Behördenmitarbeitern über ihre Erfahrungen gesprochen und glauben, dass sie sich nirgendwohin wenden können. Viele haben daran gedacht, sich umzubringen.“ Es sei überaus wichtig, auch für männliche Opfer Zufluchtstätten anzubieten, wo sie gehört werden.

In einer Studie des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht heißt es speziell zu Ehrenmorden in Deutschland:

„Der  Anteil  männlicher  Opfer  liegt  mit  43% unerwartet  hoch.  Häufig  werden zusammen mit den weiblichen Opfern auch deren unerwünschte Partner angegriffen, in einigen Fällen auch nur diese.“ [1]

Auch der von Dietrich Oberwittler und Julia Kasselt herausgegebenen BKA-Studie „Ehrenmorde in Deutschland 1996-2005“ zufolge „ist der Anteil der männlichen Opfer mit 43% erheblich größer, als es in der Öffentlichkeit und teils auch in der Fachdiskussion wahrgenommen wird. Besonders hoch ist der Anteil männlicher Opfer mit beinahe 90% bei den Grenzfällen zur Blutrache, die eher dem Typ gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Männern entsprechen. Aber auch bei den Grenzfällen zur Partnertötung und den Ehrenmorden im engeren Sinn sind immerhin 27% bzw. 30% der Opfer männlich.“ [2]

Auf die bisher ausgeblendete Rolle, die Mütter bei Verbrechen im Zusammenhang mit angeblich gekränkter Ehre spielen, weist schließlich eine Studie hin, über die im Juni 2017 die britische BBC berichtete. In dem Beitrag heißt es:„Mütter sind die ‚unsichtbare Kraft‘ hinter dem so genannten ehrenbasierten Missbrauch, der ihren Töchtern Gewalt zufügt. Forschung durch Rachael Aplin, eine Kriminologin von der Leeds-Beckett-Universität, zeigte, dass dies häufig von der Polizei unerkannt bleibt. Bei den 100 von ihr untersuchten Ehrenverbrechen waren in 49 Fälle Mütter verwickelt – was aber oft nicht in den Kriminalberichten vermerkt war. Zu den Fällen zählten Gewalt gegen Töchter, manchmal um eine Abtreibung herbeizuführen. Aplin erklärte, dass der Fokus bei allen Maßnahmen gegen Täter sowohl auf Männer als auch auf Frauen gerichtet sein sollte.“ [3]

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[1] Eine Zusammenfassung von Ergebnissen der Studie steht online unter https://www.mpicc.de/files/pdf1/honourkillings_summary_deutsch.pdf.

[2] Die Studie steht online unter https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/Publikationsreihen/PolizeiUndForschung/1_42_EhrenmordeInDeutschland.pdf?__blob=publicationFile&v=3.

[3] Vgl. N.N.: Mothers ‚an unseen force‘ in ‚honour‘ abuse. Veröffentlicht am 27.6.2017 unter http://www.bbc.com/news/uk-england-bradford-west-yorkshire-40367910.